Monthly Archives: Juni 2013

Kompetenz Netz

amazon.de und Kompetenz

Heute bin ich auf der Jobrecherche unter anderem über Amazon gestolpert. Amazon beschreibt das Bewerbungsverfahren recht genau. Das finde ich ja eigentlich ganz schön und war schon ganz beeindruckt ob des planvollen Vorgehens. Bis ich den Punkt „Was verstehen wir unter Kompetenz“ hier fand.

Amazon sieht das nämlich auf folgende Weise:

Als Kompetenz bezeichnen wir eine bestimmte Qualifikation, ein bestimmtes Wissen, besondere Fähigkeiten oder Verhaltensweisen.

Im weiteren meint Amazon diese Kompetenzen durch ein strukturiertes Interview herausfinden zu können um so ein Höchstmaß an Objektivität und Vergleichbarkeit zu erzielen.

Ich kenne zwar Amazons Zahlen und „Erfolge“ mit dieser Methode nicht aber sie haben da sicherlich ein sehr akkurates Instrument in einem sehr akkuraten Feld bei einer extrem akkuraten Definition am start.

via http://amazon-operations.de/

Netz Tools

Keine Lust auf mitlesende Schlapphüte? PGP jetzt! [Update]

Crosspost von daMax

Ihr wollt nicht, dass jeder Staatsbüttel eure Mails mitliest? Dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, endlich mal PGP zu benutzen. Damit könnt ihr schon seit achwasweißichwievielen Jahren eure Mails so verschlüsseln, dass kein Schlapphut mitlesen kann. Der Haken: ihr müsst ca. 15 Minuten eures Lebens investieren, um euch mit dem Prinzip vertraut zu machen und noch einmal ein paar Minuten, um das auf eurem Rechner zu installieren.
Da in den letzten Tagen wenigstens einige der mir bekannten Blogger anfangen, PGP einzusetzen, dachte ich mir, ich klopp‘ jetzt noch mal eine Anleitung heraus, wie PGP funktioniert und wie ihr das selbst einsetzen könnt.

Die Voraussetzungen:

  • Ihr habt eine Mailadresse, an die ihr per POP3 oder IMAP heran kommt. Das geht auf jeden Fall bei GMX, Web.de, T-online und anderen Anbietern; wer eine eigene Domain á la www.huhuichbins.de hast, weiß wahrscheinlich eh Bescheid.
  • Ihr wisst, wie ihr eure Mails in einem eigenen Mailprogramm (Apple Mail, Outlook, Thunderbird o.ä.) lesen könnt. Wenn ihr eure Mails lest, indem ihr z.B. da oben www.gmx.de oder www.web.de eingebt, kann euch vielleicht mit Mailvelope geholfen werden.

Die Funktionsweise:

Verschlüsselung mit öffentlichem Schlüssel und Entschlüsselung mit privatem Schlüssel (Wikipedia)

Das Prinzip der Mailverschlüsselung ist schnell erklärt. Jeder Teilnehmer hat 2 Schlüssel: einen privaten und einen öffentlichen. Der öffentliche wird an alle Leute gegeben, mit denen ihr komminuzieren wollt. Den privaten behaltet ihr immer nur für euch. Nie rausgeben. Klar?

Nehmen wir an, ihr wollt mit Berta verschlüsselt kommunizieren. Ihr gebt Berta euren öffentlichen Schlüssel, Berta gibt euch ihren öffentlichen Schlüssel. Nun könnt ihr Berta eine Mail schicken, die ihr mit Bertas öffentlichem Schlüssel abschließt.

Der Clou:
Mails, die mit Bertas öffentlichem Schlüssel verschlüsselt wurden, können nur mit Bertas privatem Schlüssel wieder lesbar gemacht werden. Will Berta antworten, so verschlüsselt sie mit eurem öffentlichen Schlüssel, diese Mail ist nur mit eurem privaten Schlüssel zu öffnen. Das Ganze nennt sich Asymmetrische Kryptographie und wird bei Wikipedia nochmal mit anderen Worten erklärt.

Das Prinzip der öffentlichen und privaten Schlüssel setzt voraus, dass jeder Teilnehmer seinen privaten sowie die öffentlichen Schlüssel aller anderen Teilnehmer hat. Solche Schlüssel sind reine Textdateien und können prinzipiell per Mail verschickt werden. Komfortabler ist es jedoch, seinen öffentlichen Schlüssel auf einen sogenannten Keyserver hochzuladen, wo sich dann jeder andere den Schlüssel „abholen“ kann. ACHTUNG: bevor ihr den letzten Schritt geht, möchte ich euch dringend raten, ein „Widerrufszertifikat“ (revocation certificate) für euren Schlüssel zu erstellen, denn nur damit könnt ihr einmal auf Keyservern veröffentlichte Schlüssel wieder „aus dem Verkehr ziehen“.

Der praktische Einsatz:

Thunderbird mit EnigMail

Wie ihr nun PGP auf eurem Rechner installiert, euch einen (oder mehrere) private und öffentliche Schlüssel generiert und diese dann einsetzt, haben andere schon besser beschrieben als ich das könnte.

  • Anwender, die ihre Mails mit Thunderbird lesen und schreiben, klicken hier.
  • Mac-Benutzer, die ihre Mails mit Apple Mail lesen, klicken hier für eine kurze oder hier für eine ausführliche Anleitung.
  • Update: PGP für Mac OSX gibt es hier!
    Update: Für Android-User gibt es hier eine offenbar ganz gute Anleitung, leider auf englisch. Allerdings ist zur Schlüsselerstellung wohl trotzdem Thunderbird mit EnigMail nötig. Wenn ihr etwas besseres wisst: her damit.

  • Update: es gibt noch einen PGP-Nachbau für Android.
    Update: Für iPhoneBesitzer gibt es auch eine PGP-App.

  • Leute, die ihre Mails nur im Browser bei einem Webmailanbieter wie z.B. web.de oder gmx.de lesen, probieren es vielleicht mal mit Mailvelope, damit habe ich aber keine Erfahrung. Für diese Menschen wäre es sowieso dringend an der Zeit, sich Thunderbird herunterzuladen und sich an die Arbeit mit diesem großartigen Mailprogramm zu gewöhnen. Ganz im Ernst: ihr werdet es lieben, wenn ihr euch nur einmal darauf einlasst.

Nur Mut. Macht es! Wenn ihr noch niemanden zum Testen habt, hinterlasst hier einen Kommentar mit Mailadresse, ich helfe euch gerne bei den ersten Schritten ind die kryptographische Welt. Natürlich ist Mailverschlüsselung nur ein kleiner Teil des Bildes, ein sicheres Passwort gehört z.B. zwingend dazu. Wie ihr euch ein solches erstellt und es euch trotzdem merken könnt und viele weitere Tipps für den Digitalen Survivalist findet ihr hier.

In diesem Sinne:

mQENBE8Lc4MBDADA/TMcFWnNu5i7OtxxmJA3fxdVjYjwRjqJsSuzI7pSYfAMLbWNeLGo/dHW
WCGO1RZT3bupUo8qfa8bL0wjjoH+q0CGMNZQMXyxH1cMILFMiWsL7eqCbHxfb68VGDgYhkgP
BhmEBxesMr5C2YVPjLkP4hAizi4/Uavn0yWUy0WDn7TN8wiSqV666nTMjdAuHPzT3gTNDd+v

PS: dieser Text darf so oft kopiert, angepasst, zensiert, restauriert, ausgedruckt, geschreddert, wiedereingescannt, verschickt, verfaxt und verbloggt werden bis das Internet platzt.

Update: Matze weist mich darauf hin, dass ich das wichtigste Vergessen habe: Fingerprints, gegenseitiges Unterschreiben der Schlüssel etc.

Zwei Videos finden sich auch noch unter netzpolitik.org

Damit ist eigentlich alles gesagt:
http://todamax.kicks-ass.net/2013/pgp-jetzt-2/#more-55017

Bildung Persönliches Sooc13

Podcasts zu Bildung

Ich bin momentan in der Situation, dass ich jeden Tag eine Stunde mit dem Auto fahre. Das mache ich nur, weil ich nicht mit der Bahn fahren kann. Geht leider zeitlich nicht. Im Auto ist es eher ungünstig die Nase in ein Buch zu stecken, auch wenn sich hin und wieder einige LKW Fahrer beobachten lassen. Radio hören ist auch keine Option. Es gibt die Wahl zwischen 1Live oder WDR2 und dem Deutschlandfunk erstere kann ich maximal noch 10 Minuten am Stück ertragen. Danach setzt, eingeleitet durch Werbung, schlechte Musik und übelstes Gelaber, eine gewisse Übelkeit ein. Selbst zusammengestellte Musik geht aber wird über die Zeit irgendwie langweilig und aufwändig.

Also höre ich Podcasts! Dabei sind bekannte Größen wie NSFW, WRINT oder CRE sowie Hoaxilla und der Soziopod, um nur ein paar zu nennen.
Der Fokus liegt also auf Quatsch bis elaborierten Quatsch. Das ist gut und unterhaltsam aber ich würde gerne das (Fach)Buch, welches ich in der Bahn lesen würde ersetzen. Bedeutend fachlicher oder auf fachlicher Grundlage geht es beim Soziopod und Bildung – Zukunft – Technik zu. Dies sind aber auch schon die beiden einzigen Podcasts, die ich abboniert habe und für mich fachlich interessanter sind und auch regelmäßig veröffentlichen. Das reicht aber nicht um zwei Stunden täglich zu füllen.

Andere, wie Bildung im Dialog veröffentlichen seit einem Jahr leider keine Podcasts mehr und sind auch bald durchgehört.
Podcasts.de hat zwar eine Kategorie Bildung, aber es finden sich auch dort leider viele verwaiste Podcasts und viele, die sich auf Schule und konkrete Unterrichtsfächer beziehen. Damit kann ich wenig anfangen.

Ich suche nach theoretischen Podcasts, die sich mit den Grundlagen von Bildung, Bildungsforschung, Gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Weiterbildungsorganisation, Methoden der Bildung, Lerntheorien, Lernen, Lehren sowie mit dem gesamten Bereich der Bildung mit digitalen Medien und dem Internet beschäftigt.
Das soll nicht bedeuten, dass darin keine Schule oder Kinder vorkommen dürfen.
Wie dem auch sei. Vielleicht kennt ihr ja noch spannende Podcasts, die mich auf meiner Täglichen Fahrt zur Arbeit ein wenig erhellen können.

Ich habe dafür ein Etherpad angelegt und bitte jeden diese Liste zu befüllen! Ob verwaister Podcast oder nicht ist sekundär, ich kann ja auch noch die alten Folgen hören.

https://www.mrgnz.de/etherpad/p/Podcasts

Das Featured Image steht unter CC-BY von Peter Marquardt podcast@lemotox.de: http://podcastlogo.lemotox.de/

Bildung Sooc13

Gedankenexperiment

Aufgabe 4 ist das Gedankenexperiment:

„Was wäre wenn alle WissenschaftlerInnen bzw. Lehrende bloggen würden, um in der Community sichtbar zu sein?“

Ich finde das ist eine sehr spannende Frage und will dem ein paar Worte widmen. Ich würde mich aber nicht auf die WissenschaftlerInnen oder die Lehrenden beschränken, sondern die Betrachtung auf die jeweilige, relevante Gruppe ausdehnen. Um bei der Hochschule zu bleiben meine ich damit Lehrende, Studierende, WissenschaftlerInnen in relevanten Bereichen die aber nicht in der Universität angesiedelt sind, aber auch den Mittelbau und die Uni als Institution selbst. So könnte ein umfassendes Bild der universitären Aktivitäten und darüber hinaus entstehen.

Die Universität könnte dies auch mit Infrastruktur unterstützen. Die Technik ist ja im Rechenzentrum vorhanden, KnowHow möglicher Weise auch. Ich stelle mir z.B. einen universitätsweiten Blog-Aggregator vor, welcher vielleicht noch eine thematische substruktur,ähnlich zu Mailinglisten aufweist. So kann sich jeder nur die Themen ansehen die er möchte und gleichzeitig ist erhöhte Sichtbarkeit der Blogs gegeben, die mit der Universität verknüpft sind. Eine kurze Suche im Internet nach einem solchen Aggregator in Verbindung mit meiner ehemaligen Universität befördert nichts nennenswertes hervor. Es gibt also keine Möglichkeit Blogs zu finden, die mit der Universität assoziiert werden können.
Woran mag das liegen? Ach je es ist ja ein Gedankenexperiment. Der Wissenschaftsbetrieb läuft halt anders. Man veröffentlicht eher dort, wo die Reputation stimmt und eine entsprechende Rezeption zu erwarten ist. Vor allem Letzteres ist ja durchaus auch Gegenstand der Ausgangsfrage, dieser Zeilen hier und zu verständlich wenn man gehört werden will. Also werden nach wie vor Fachzeitschriften, Monographien, Sammelbänder oder gar Präsenzformate wie Konferenzen und Vorträge bevorzugt. Das macht Sinn und es gibt dafür ein gut etabliertes Forum.

Aber es wird ja gebloggt, also wo sind diese Blogs? Ich kann sicherlich nach tags suchen und werde auch fündig, ich muss aber wissen wonach ich Suche. Das funktioniert ja schon ähnlich mit den Suchfunktionalitäten für wissenschaftliche Aufsätze auf den Bibliothekshomepages. Ich kann mich aber nicht durch eine Liste von Blogs oder assoziierten Beiträgen klicken und bei interessanten Dingen verweilen. Was nebenbei, so glaube ich, einer der größten Verluste der digitalen Welt gegenüber der analogen ist. Ein Buch wie ein Daumenkino durchblättern und zufällig bei etwas hängen bleiben gibt es im digitalen Raum nicht mehr.
@gibro fasst es in seinem Blog so zusammen:

Die digitalen Medien fordern vom Nutzenden eine aktive Haltung. Während der Fernseher, das Radio, die Zeitung oder das Buch ihre Funktion auch dann erfüllen, wenn der Lernende konsumiert, erfordert das digitale Gerät ständige Eingaben.

Sind die Inhalte von Blogs dann etwa schlecht? Ich denke nicht, denn die selben Menschen, die Blogs schreiben, veröffentlichen ja auch in etablierten Fachzeitschriften.
Spannend wäre es sicher allemal wenn sich um den Wissenschaftsbetrieb eine rege Blogosphäre bilden würde, die auch sichtbar ist. Dazu bräuchte diese Wissenschaftscommunity aber noch ein tieferes Vertrauen in dieses Internet und dessen Inhalte.
Eine Uni könnte ja auch davon profitieren und die notwendige Reputation aufbauen, wenn es viele Blogbeiträge im Netz zu finden gäbe, die auf Eigeninitiative beruhen und, weil sie ja gefunden werden wollen, auf die Universität referenzieren.

Bildung Sooc13

sooc13: Gelhards Kritik der Kompetenz

Im Wesentlichen ist dies hier eine subjektive Wiedergabe einiger Thesen aus dem Buch „Kritik der Kompetenz“ von Andreas Gelhard.
Dieser baut seine Kritik historisch auf. Aber nicht etwa erst ab Chomsky,dem Begründer des modernen Kompetenzbegriffs, sondern er beginnt im Wesentlichen bei Kant und Hegel. Die Aufklärung, die Gewissensprüfung und die daraus ableitbaren Kontrollmechanismen, welche sich über die Zeit von einer übergeordneten Instanz in das Individuum verschieben und somit omnipräsent werden und damit die heutigen Diskussion um Bildung und die Bildung selber beeinflussen sind die zentralen Gegenstände dieses spannenden Buches.

Kant: Freie und öffentliche Prüfung.

Selbst das Denken unterliegt den bürgerlichen Zwängen und ist nicht so frei wie vermutet. Erst ein öffentlicher Diskurs, bzw. das öffentliche Äußern der Gedanken erhebt diese zu Denken. Der „bürgerliche Zwang“ sei es, der jedoch diese öffentliche Äußerung verhindert (S.19.). Zudem gibt es noch den Gewissenszwang, der die Furch vor Strafe schürt und somit vor einer vernünftigen Prüfung der eigenen Handlungen abhält (ebd.) und der zentrale Aspekt bei der Manifestation der Kompetenz ist.
Gelhard bezieht sich auf Kants Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit („von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlich Gebrauch zu machen“) und postuliert „Selbstdenken ist eine Tätigkeit zu mehreren. Sie ist an die öffentliche Äußerung von Gedanken gebunden, weil Denken bedeutet, sich anderen mitzuteilen“.
Auf heute bezogen könnte als konstatiert werden, dass Bloggen ein Weg oder zumindest ein Wegabschnitt aus dieser Unmündigkeit sein könnte. Vorausgesetzt man möchte Kant in Bezug zur digitalen Welt setzen.

Omnipräsenter Prüfer

Gelhard beruft sich auf Hegels Kritik der Gewissensprüfung wenn er sagt: „Die Selbstprüfung des Gläubigen ist Selbstprüfung unter den Augen eines selbst nicht sichtbaren Prüfers und bleibt durchgehend auf Gott als den großen Mitwisser unserer Handlungen bezogen“.
Im Zeitalter von religiöser Dominanz gegenüber den Menschen, geht dieser Prüfer in die Kirche und die Gemeinde über. Ein jeder prüft seinen Nachbarn ob der korrekten Einhaltung der kirchlich vorgegebenen Regeln, welche aber nicht von ihnen festgelegt wurden. Jede Abweichung wird sanktioniert. Meist durch soziale Mechanismen oder eben durch kirchliche Mechanismen.
Als Evolution dieser Mechanismen stellt Gelhard einen, für die Mechanismen der Kompetenz, wegweisenden Wechsel in der Betrachtungsweise fest.

„Die Gewissensprüfung folgt der Unterscheidung in „Erlaubtes und Verbotenes“, während die psychologischen Prüfungen einem humanwissenschaftlichen Dispositiv angehören, dessen Elemente darauf ausgerichtete sind, zu „regeln“, zu „verwalten“ und dafür zu sorgen, dass die Verfahren der Individualisierung „optimal funktionieren. Dieser Umstellung von Strafandrohung auf Verhaltensoptimierung entspricht die terminologische Unterscheidung zwischen Untersuchung und Prüfung, die Foucault in Überwachen und Strafen und einigen Texten aus dem Umfeld des Buches trifft.“ (S.34f.)

Es wird also nicht mehr bestraft sondern gezielt und grundlegend positiv konnotiert eingegriffen und geregelt. Was jedoch gefördert wird legt jedoch nicht der Mensch selber fest.
Kleists Kritik am Examen nimmt die reproduktiven Anforderungen der akademischen Prüfungen in Augenschein und setzt ihnen das kreative Handeln „in Gesellschaft“ entgegen (S. 122), welches aber einen Diskurs bzw. gewisse Störungen inkludiert um diese Kreativität zu aktivieren und somit im Konflikt mit den modernen, auf verwertbare Ergebnisse optimierten Testverfahren kollidiert (ebd.).

Ein weiterer wichtiger Bruch ist nach Gelhard der von Foucault analysierte Wechsel von der „Initiationszeit der traditionellen Ausbildung“ zur „Disziplinarzeit“ (vgl. S.38.). Auch in diesem (pädagogischen) Setting ist eine stete Überwachung und Überprüfung der Menschen bereits Teil des Systems. Dieses System ermöglicht zudem auch, dass der Einzelne, da er ja im herrschenden System erfolgreich sein will, vermeintlich freiwillig die geforderten Kompetenzen aneignet.

Psychotechnik

Die (angewandte) Psychologie entwickelte die Psychotechnik (Psychologie und Metaphysik) um das menschliche Leben möglichst in seiner Gesamtheit mit Hilfe von geeigneten Methoden erfassen zu können.
Mit den Persönlichkeitstests zog die Beurteilung der Menschen dann auch in den privaten Bereich der Menschen ein. Ein Umstand, der in den heutigen Kompetenzverständnissen manifestiert ist und in Form von Einstellungen und Werten abgefragt wird und somit Teil der Qualifikation ist. Besteht in diesem Segment der Kompetenz des Individuums keine Passung, so gilt dieses möglicherweise bereits als inkompetent.
Im Weiteren wurde versucht die Psychotechnik in die Wirtschaft zu importieren. Dabei war die Zielsetzung nicht die Menschen zu erforschen, sondern Mechanismen und Methoden der Selektion und Anpassung der Menschen zu finden. So sollte der Wirtschaft ein Instrumentarium im tayloristischen Sinne an die Hand gegeben werden.
Die produktive Seite der Macht wäre es nach Foucault in Folge dessen, die Person effektiv auszubauen um durch sie höhere Leistung für die Organisation zu erzielen!

Bereits McClelland befürchtete, dass Tests so entworfen werden, dass der Proband nur die erwarteten Reaktionen zeigen oder sie enttäuschen kann (S. 122). Die erwartete Kreativität von Erpenbeck und Rosenstiel (Handbuch Kompetenzmessung) basiere laut Geldhard nur auf Verwertungsgesichtspunkten und erfüllt somit bereits McClellands Befürchtungen. „Was wir erwarten, sind überraschende Lösungen, ist schöpferisch Neues.“ (Erpenbeck & Rosenstiel S. XIX). Dabei bleibt fraglich in wie fern dies überhaupt möglich ist, wenn doch nach McClelland die Ergebnisse doch schon vorgegeben sind.

Die Selbstorganisation

Kompetenz soll Freiheit bedeuten, es stellt sich aber heraus, dass es nur eine begrenzte Freiheit durch vorab selektierte Wahlmöglichkeiten ist.
Dadurch kann Normalisierung entstehen, welche durch ihren Einsatz das Potential entwickelt andere Ideen und Normen zu verdrängen oder zu überlagern. So ist es mir selber schon begegnet, dass ich im Vorstellungsgespräch für einem Aushilfsjob über die Kompetenzsäulen informiert wurde, in denen sich das Unternehmen gut aufgestellt sieht.

Kompetenz ersetzt Intelligenz

Seit McClellands Aufsatz „Rather testing for competence than intelligence“ wird der Begriff Kompetenz immer häufiger eingesetzt. Die für Gelhard einfachste Begründung, Kompetenz als etwas zu betrachten, dass menschliches Verhalten zuverlässlich vorhersagt, wird zugunsten eines Eindrucks von Kreativität und Selbstständigkeit meist nicht verwendet (vgl. S143). Marketing für einen Begriff, der einen Unterschied in der Bildungslandschaft ausmacht.

Die Kernaussage ist meiner Meinung nach, dass es Mechanismen geben, die das Konzept der Kompetenz so etabliert haben, dass es sich selbst in der Gesellschaft erhält. Kompetenz erwerben, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben, um den eigenen Status zu erhalten oder zu verbessern. Dabei ist egal was man macht, Hauptsache man arbeitet immer auf das Fremdbestimmte Ziel der Kompetenz hin. Die Kompetenz soll Wahlfreiheit und Chancen für jeden Einzelnen suggerieren und die differenzierte Gesellschaft in ihrer komplexen Gesamtheit erfassen. Dabei sind die Inhalte oder Definitionen von Kompetenz sehr häufig willkürlich und schwammig und stammen nicht aus einem öffentlichen Diskurs. Dabei dient das Konzept Kompetenz nicht dem Einzelnen oder der Bildung oder der Gesellschaft, sondern zielt überwiegend auf wirtschaftliche Verwertbarkeit ab und somit auf eine Maximierung des Humankapitals.
In wie fern diese Verwertbarkeit gewollt, gesund oder notwendig für eine kapitalistisch organisierte Gesellschaft ist, wird nicht aufgegriffen.
Dies, so finde ich, wäre eine spannende Anschlussfrage und Gelhards Buch liefert eine schöne philosophische Grundlage um das Kozept von Kometenz aus einer Sichtweise von vielen betrachten zu können.

Ich habe das Buch im Rahmen meiner Diplomarbeit letztes Jahr gelesen und für den Artikel hier erneut überflogen. Ich wollte diesen schon früher fertig haben, jedoch wurde ich von Arbeit und einer dicken Erkältung gut beschäftigt. Um das jetzt aber nicht noch länger hinauszuzögern und meinen angekündigten Termin einzuhalten veröffentliche ich den Beitrag jetzt, auch wenn er noch eine Woche Arbeit vertragen könnte.

Ich freue mich auf konstruktive Kommentare und eine rege Diskussion, auch gerne im IRC unter chat.freenode.net (port 665 ohne SSL – port 7000 mit SSL) im Channel #sooc13.

Quelle:

Gelhard, Andreas. Kritik der Kompetenz. 2012.
ISBN: 9783037341438
http://www.diaphanes.net/buch/detail/347

Weiteres Material

Die Fernuni Hagen bietet einen Vortrag von Andreas Gelhard auf ihrer Homepage. Dort gibt dieser eine Einführung in seine Kritik der Kompetenz.
Video

Initiiert wurder der Beitrag durch einen Livesession im Rahmen des @sooc13

Das Etherpad zu dieser Session ist hier zu sehen:
pad zur livesession vom 07.06.13

Meta

Ironblogger Köln

So, seit kurzem schreibe ich dieses Blog. Damit das auch so bleibt bin ich seit heute bei den Ironbloggern Köln. Es gibt also einen Anreiz nicht zu bloggen. Und es ist ein guter! Bier!

Für die die es nicht wissen: Der Ironblogger „verpflichtet sich“ gegenüber den Anderen Ironbloggern und sich selbst mindestens einen Artikel pro Woche zu schreiben. Wenn man das nicht tut, sind 5€ in eine Gemeinschaftskasse zu zahlen.
Das wird dann monatlich auf den Kopf gehauen.

Ich bin auf die vielen unterschiedlichen Blogartikel und besonders auf die erste Verkostung gespannt.

Ironblogger Köln

Bild von Kate Hopkins: http://www.flickr.com/photos/accidentalhedonist/
Bild von Kate Hopkins: http://www.flickr.com/photos/accidentalhedonist/

Bild von Kate Hopkins

Netz Sooc13 Tools

Gibt es Bedarf für einen sooc13 IRC Channel?

IRC ist eines der ältesten Protokolle des Internets und es wird nach wie vor rege genutzt. Und ich habe mich schon so häufig gefragt, warum die Chatsysteme von Facebook, Google und Konsorten so rege benutzt werden. All das kann der IRC auch.
Auch Twitter und ADN sind eher Linkschleudern als Kommunikationsplattformen. Ich will nicht dagegen reden, denn als Inputkanäle nuztze ich gerade letztere auch sehr gerne.
Der Blogbeitrag iKonnektivismus im Unternetz von myrmikonos greift genau dieses Thema auf und hat mich veranlasst einfach mal Nägel mit Köpfen zu machen.

Die Clients

Eine gute Übersicht über Clients findet mensch hier. Ich möchte auch noch Pidgin vorschlagen. Pidgin ähnelt Clients wie ICQ oder anderen Messenger Programmen wie Trillian etc. und kann auch mit dem IRC umgehen. Eine sehr umfassende Auflistung aller Clients und ein Vergleich ihrer Funktionen findet sich hier (Englisch).

Unter Linux benutze ich eigentlich immer XChat oder irssi. Letzterer ist Konsolenbasiert und weniger für den gemeinen User geeignet.
Leider ist Xchat unter Windows keine freie Software. Es Gibt eine 30 Tage Testphase, ebenso das beliebte mirc.

Daher habe ich jetzt mal testweise aus dem ersten Link Quassel und Nettalk installiert und getestet. Beide sehen eben aus wie IRC Clients unter Windows aussehen, wobei Quassel trotz des Namens weniger bunt daher kommt und mir besser gefällt.
Ein weiterer Pluspunkt von Quassel ist, dass die SSL Verschlüsselung direkt integriert ist. Bei Nettalk ist dies ein Plugin, welches bei meinem Test eben den Dienst scheinbar verweigerte.

Einrichten des Netzwerks

Nach der Installation eines Clients muss man diesen entsprechend einrichten.
Dazu sucht mensch den entsprechenden IRC Server aus. Beispielsweise sind irc.freenode.net oder irc.quakenet.org in den meisten Clients bereits eingerichtet.
Es muss also nur noch ein Nickname sowie der echte Name eingetragen werden. Das Eintragen des echten Namens wird nicht überprüft, gehört aber zur Nettiquette des IRC Netzes.
Ich habe nun einen sooc13 Channel im freenode Netzwerk eröffnet. Den können alle betreten.
Sucht dazu in der Serverliste den irc.freenode.net oder chat.freenode.net Server heraus oder tragt ihn von Hand ein.
Der Port ist meistens 6665, es gibt aber noch viele mehr. Freenode bietet z.B. unter dem Port 7000 einen Zugang via SSL an. Also wird die Kommunikation zwischen Client und Server verschlüsselt. Ich finde das wichtig.

irc.freenode.net/7000 für SSL
irc.freenode.net/6665 ohne SSL

Anschließend werdet ihr aufgefordert einem Channel Beizutreten. Channel im IRC Netz fangen immer mit einer Raute # wie bei Hashtags an. Der richtige Channel lautet daher

#sooc13

Anschließend seid ihr im Channel #sooc13 und könnt loslegen mit konnektivistischen Aktivitäten.

Meta

Server umgezogen

Gestern Nacht ist mein Blog auf einen neuen Server umgezogen. Ich hoffe es funktioniert wie es soll. Es war auf jeden Fall jemand äußerst fähiges am Werk. Daher gehe ich mal davon aus.