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Bildung Sooc13 Tools

Twitter verstehen. Woher kommt die Ablehnung unter den sooc13 Teilnehmern?

Gestern, beim Abschlussworkshop zum sooc13, viel mir besonders die Ablehnung von Twitter auf (Nicht als Unternehmen sondern als Werkzeug).

War die Nutzung von Medien und Methoden angemessen und aufeinander
abgestimmt? [Auszüge aus Etherpad Doku]

  • Mir persönlich war zuviel Twitter und zu wenig google+ und facebook.Seh ich genauso
  • Ich fand der Aspekt Facebook kam auch etwas zu kurz, es ist so, dass ich den Sinn von Twitter
    bis heute nicht erfasst habe… Man sendet etwas z.B. „Sooc13 hat gestartet!“ und
    transportiert mit diesen Kurzmitteilung (oft) zu wenig Inhalt+++++++
  • Twitter sehr unübersichtlich (und auch immer nur knapper Inhalt), Facebook-Gruppe war
    hilfreich
  • Ich fand die vielen Kanäle (Präsenzveranstaltungen, Adobe Connect, Twitter, Facebook.
    Homepage, Blogs) anstrengend. Twitter hätte man meiner Ansicht nach z. B. durch die
    Facebook-Gruppe ersetzen können –> übersichtlicher, besser nachlesbar.++
  • Twitter weglassen (+1)

Das ist ja auch auf @anjalorenz Abschluss Sketchnote zu sehen:

Abschlusssketchnote

Bei mir ist das aber anders:

  • Ich habe via Twitter vom Sooc13 erfahren.
  • Ich habe nahezu alle Infos für den Sooc13 aus Twitter bezogen.
  • Ich habe die Links zu den Connect Räumen jedes mal sehr schnell aus Twitter bekommen.
  • Ich habe viele Blogbeiträge durch Tweets gelesen.

Ich glaube viele haben nicht verstanden wozu Twitter dient und viele waren nie bereit oder sind noch nicht so weit um es bzw. die Technik so tief in Ihren Alltag zu integrieren. Keiner will ein Cyborg sein. (Dazu muss ich auf den Wir müssen Reden Podcast verweisen in dem eine Definition gegeben wird). Gemeint ist aber die bedingungslose Integration von Techniken wie eben Twitter (via Smartphone) und dem permanent laufenden PC in den Alltag.
Was ich beobachte halte ich für ein Symptom. Und es fällt mir immer wieder auf. Ich konnte jedoch keine Erklärung finden warum ich das Smartphone zücke um mal eben etwas nachzusehen und andere das total abwegig finden, obwohl sie häufig auch so etwas in der Tasche haben. Ähnlich verhält es sich mit Menschen die vor einem Computer sitzen, einen Internetzugang haben und bei einer offenen Frage nicht Wikipedia oder eine Suchmaschine benutzen.

Scheinbar ist es ein Nerdding, was noch dabei ist in den Alltag von allen einzuziehen. Doch auch in der Welt der Nerds gibt es ja den Trend dazu Twitter maximal punktuell zu benutzen oder auch komplettt auszusteigen, was aber auf einem anderen Blatt steht.

Vor allem verstehe ich aber das klagen darüber, dass das „zu viel“ und „zu schnell“ sei nicht. Das verstand ich auch schon in der Mailingliste der Kölner IronBlogger nicht. Um Datenhygiene muss man sich halt schon selber kümmern. Das ist eine der wenigen Schlüsselfähigkeiten (oder -kompetenzen für die die es so lesen wollen), die ich uneingeschränkt identifiziere und einfordere.
Aber klar, Twitter rauscht einfach so durch, da verpasst man viel. Aber das muss man dann auch nicht mitbekommen. Für viele ist Twitter ja auch nur eine Linkschleuder um für die eigene Sache zu werben.
Aber es gibt ja Abhilfe um das Chaos zu kanalisieren. Ich benutze Tweetdeck auf meinen PCs bzw. Falcon Pro auf meinen Android Geräten. Beide lassen mich die Listenfunktion von Twitter nutzen. Außerdem kann ich Listen anderer Benutzer abonnieren. So habe ich die Sooc13 Teilnehmerliste abonniert. Da sind 103 Teilnehmer gelistet. Diese Liste haben neben mir aber nur 8 weitere Menschen abonniert. Also nicht mal 10% aller die auf der Teilnehmerliste sind. Wie viele von denen, benutzen denn gezielt die Suche nach dem Hashtag #sooc13 um alle Beiträge mitzubekommen? Auch das lässt sich in Tweetdeck nämlich speichern. So bekommt man nicht nur die Tweets der TeilnehmerInnen mit, sondern auch die tweets, welche nicht auf der Liste sind aber thematisch etwas dazu beitragen (ReferentInnen beispielsweise).
Hinzu kommt das retweeten. Um eine noch größere Reichweite zu erzielen retweetet man einfach alles was einem interessant oder informativ erscheint. Damit sehen es dann auch Menschen, die weder in einer der Listen sind noch dem Hashtag folgen, sehr wohl aber Teilnehmern des soocs folgen und es mehr oder weniger zufällig sehen.

Durch die permanente Sichtbarkeit der Listen und Suchen in Tweetdeck oder Falcon Pro, kann ich also schnell und zu jeder Zeit auf die entsprechenden Infos zugreifen.

Als Beispiel: Gestern fuhr ich zum Feierabend meinen Computer herunter und war etwas traurig die Abschlusssession verlassen zu müssen. Dann suchte ich kurz nach einer App für Adobe Connect und fand sie auch. Schnell habe ich sie installiert und auf dem Weg zum Auto via Twitter die URL zum entsprechenden Raum über einen Tweet von Anja herausgefunden (das kopieren war etwas kniffelig) und bin dem Raum via mobiler App beigetreten. Das hat mich keine fünf Minuten gekostet. Die Tonqualität, das Setting und mein Datentarif sprachen dann aber dagegen dem sooc13 im Auto zu folgen. Für einen Vortrag wäre das aber durchaus denkbar. Vorausgesetzt die Flatrate gibt das her 🙂

Es gibt auch andere Wege um dies zu erreichen, möglicherweise auch bessere, aber darum geht es meiner Meinung nach ja ständig: Wege des Zugangs finden, benutzen und anderen zeigen können.

Was die Abneigung gegen Twitter angeht habe ich einfach das Gefühl, dass viele sich der Möglichkeiten nicht bewusst sind und somit zu dem Schluss kommen, dass Twitter nur Chaos ist.
Wie lässt sich also eine Technik wie Twitter effektiv vermitteln, so dass das Verständnis generiert wird? Resultiert die Abneigung gegen die Integration der Technik in den Lebensalltag genau aus solchem Unverständnis?

Android Bildung Sooc13 Tools

(Social) Media vor und nach dem Sooc13

Es hat sich in der Tat einiges bei mir verändert. Dabei war aber nicht der Sooc die Initialzündung. Auslöser war vor allem das letzte Educamp in Hamburg (#echh13). Der Sooc hat im Anschluss daran vor allem dazu beigetragen, dass ich am Ball bleibe.

Seit dem benutze ich Twitter als Informationsquelle deutlich intensiver. Auch Evernote hat massiv an Bedeutung dazugewonnen. Vorher war Twitter nur ein Medium um Catcontent und sinnfreies zu verbreiten. Doch mittlerweile dient es als mehr oder weniger zielgerichtetes Instrument zur Informationsbeschaffung. Mehr oder weniger, weil ich mit der Organisation von Listen und deren Sichtbarkeit noch nicht so ganz warm geworden bin. Mit dem Blog kam dann noch der Zweck zur Verbreitung von Blogbeiträgen hinzu.

Seit dem versuche ich mich ebenfalls strikt daran zu halten alles in Evernote zu speichern. Das Angebot über ein Jahr lang kostenlose premium Features von der bösen Telekom kam mir nur recht. Aber auch Evernote hat eine gewisse Einschränkung. Zum Einen nutze ich für das speichern von Webinhalten häufig noch Pocket als Browsererweiterung und als App für meinen Androiden. Zum Anderen fehlt Evernote ein Linux Client. Ja, stimmt nicht ganz, weiß ich. Aber Nixnote oder Nevernote funktionieren für mich nicht. Sie synchronisieren zwar in auf den Client aber nicht zum Server. Warum konnte ich bisher nicht herausfinden. Eine alternative ist die Webversion von Evernote. Außerdem besitzt das Widget unter Android signifikante Schwächen was den Zugang zu den Notizen angeht.

Eine interessante Entwicklung kann ich bei meiner Probierfreude feststellen. Ich probiere gerne neue Tools aus. Allerdings versuche ich seit dem Educamp eine Konstanz in meine alltäglichen Tools zu bringen. Der letzte große Umstieg war vom Google Reader auf den selbst gehosteten TinyTiny-RSS Server und die dazugehörige App. Ich teste weiterhin gerne. Allerdings ist der Wille zum vollständigen Wechsel sehr klein geworden, da alle Daten möglichst beständig bleiben sollen und nicht ständig durcheinander geraten. Wer schon mal von einem Medienplayer (z.B. iTunes/amarok) zum anderen (banshee/songbird) umgezogen ist weiß was für ein Murx dabei herauskommen kann.

Allerdings überlege ich mir doch mal wieder owncloud anzusehen. Ich nutzte dies schon mal in der Verson 4 auf einem schrecklich langsamen vServer und befand es schlicht für schlecht. Mich interessiert aber durchaus, ob owncloud ein guter Ersatz für Dropbox und die Kontaktverwaltung sein kann.

Ich bin gespannt wie es weitergeht und sich die Perspektive auf Medien mit den aktuellen politischen Entwicklungen weiter verändert.
So lange kann ich nur raten: Verschlüsselt verschlüsselt verschlüsselt.

Persönliches Sooc13

So impliziert man auch eine Echokammer

Mir ist rund um die Blogbeiträge zum Sooc13 etwas aufgefallen, was auch im alltäglichen sehr präsent ist und kaum korrigiert wird.
Viele der Beiträge sind persönliche Berichte von Erfahrungen und individuellen Arbeitsweisen, manche haben diesen expliziten Fokus auf das Individuum nicht. Es wäre also zu erwarten, dass die jeweilige AutorInen auch in der Ich-Form schreibe. Doch sehr häufig finde ich eine Verquickung von man und ich.
Vielleicht fällt das nur mir auf aber diese Formulierungen tragen das Potential in sich einen normativen Anspruch zu transportieren bzw. dem Leser eine Normativität zu unterzujubeln.

Ich finde – achtung normativ – man sollte in einem Blog eher die Ich-Form wählen und nicht einen intransparenten und unsichtbaren Plural im Sinne einer Echokammer ansprechen. Das ist es zumindest, was ich im Alltag und hier im Blog versuche einzuhalten. Das gerät manchmal etwas in den Hintergrund, meistens habe ich das aber vor Augen.

Bildung Sooc13

Gedankenexperiment

Aufgabe 4 ist das Gedankenexperiment:

„Was wäre wenn alle WissenschaftlerInnen bzw. Lehrende bloggen würden, um in der Community sichtbar zu sein?“

Ich finde das ist eine sehr spannende Frage und will dem ein paar Worte widmen. Ich würde mich aber nicht auf die WissenschaftlerInnen oder die Lehrenden beschränken, sondern die Betrachtung auf die jeweilige, relevante Gruppe ausdehnen. Um bei der Hochschule zu bleiben meine ich damit Lehrende, Studierende, WissenschaftlerInnen in relevanten Bereichen die aber nicht in der Universität angesiedelt sind, aber auch den Mittelbau und die Uni als Institution selbst. So könnte ein umfassendes Bild der universitären Aktivitäten und darüber hinaus entstehen.

Die Universität könnte dies auch mit Infrastruktur unterstützen. Die Technik ist ja im Rechenzentrum vorhanden, KnowHow möglicher Weise auch. Ich stelle mir z.B. einen universitätsweiten Blog-Aggregator vor, welcher vielleicht noch eine thematische substruktur,ähnlich zu Mailinglisten aufweist. So kann sich jeder nur die Themen ansehen die er möchte und gleichzeitig ist erhöhte Sichtbarkeit der Blogs gegeben, die mit der Universität verknüpft sind. Eine kurze Suche im Internet nach einem solchen Aggregator in Verbindung mit meiner ehemaligen Universität befördert nichts nennenswertes hervor. Es gibt also keine Möglichkeit Blogs zu finden, die mit der Universität assoziiert werden können.
Woran mag das liegen? Ach je es ist ja ein Gedankenexperiment. Der Wissenschaftsbetrieb läuft halt anders. Man veröffentlicht eher dort, wo die Reputation stimmt und eine entsprechende Rezeption zu erwarten ist. Vor allem Letzteres ist ja durchaus auch Gegenstand der Ausgangsfrage, dieser Zeilen hier und zu verständlich wenn man gehört werden will. Also werden nach wie vor Fachzeitschriften, Monographien, Sammelbänder oder gar Präsenzformate wie Konferenzen und Vorträge bevorzugt. Das macht Sinn und es gibt dafür ein gut etabliertes Forum.

Aber es wird ja gebloggt, also wo sind diese Blogs? Ich kann sicherlich nach tags suchen und werde auch fündig, ich muss aber wissen wonach ich Suche. Das funktioniert ja schon ähnlich mit den Suchfunktionalitäten für wissenschaftliche Aufsätze auf den Bibliothekshomepages. Ich kann mich aber nicht durch eine Liste von Blogs oder assoziierten Beiträgen klicken und bei interessanten Dingen verweilen. Was nebenbei, so glaube ich, einer der größten Verluste der digitalen Welt gegenüber der analogen ist. Ein Buch wie ein Daumenkino durchblättern und zufällig bei etwas hängen bleiben gibt es im digitalen Raum nicht mehr.
@gibro fasst es in seinem Blog so zusammen:

Die digitalen Medien fordern vom Nutzenden eine aktive Haltung. Während der Fernseher, das Radio, die Zeitung oder das Buch ihre Funktion auch dann erfüllen, wenn der Lernende konsumiert, erfordert das digitale Gerät ständige Eingaben.

Sind die Inhalte von Blogs dann etwa schlecht? Ich denke nicht, denn die selben Menschen, die Blogs schreiben, veröffentlichen ja auch in etablierten Fachzeitschriften.
Spannend wäre es sicher allemal wenn sich um den Wissenschaftsbetrieb eine rege Blogosphäre bilden würde, die auch sichtbar ist. Dazu bräuchte diese Wissenschaftscommunity aber noch ein tieferes Vertrauen in dieses Internet und dessen Inhalte.
Eine Uni könnte ja auch davon profitieren und die notwendige Reputation aufbauen, wenn es viele Blogbeiträge im Netz zu finden gäbe, die auf Eigeninitiative beruhen und, weil sie ja gefunden werden wollen, auf die Universität referenzieren.

Bildung Sooc13

sooc13: Gelhards Kritik der Kompetenz

Im Wesentlichen ist dies hier eine subjektive Wiedergabe einiger Thesen aus dem Buch „Kritik der Kompetenz“ von Andreas Gelhard.
Dieser baut seine Kritik historisch auf. Aber nicht etwa erst ab Chomsky,dem Begründer des modernen Kompetenzbegriffs, sondern er beginnt im Wesentlichen bei Kant und Hegel. Die Aufklärung, die Gewissensprüfung und die daraus ableitbaren Kontrollmechanismen, welche sich über die Zeit von einer übergeordneten Instanz in das Individuum verschieben und somit omnipräsent werden und damit die heutigen Diskussion um Bildung und die Bildung selber beeinflussen sind die zentralen Gegenstände dieses spannenden Buches.

Kant: Freie und öffentliche Prüfung.

Selbst das Denken unterliegt den bürgerlichen Zwängen und ist nicht so frei wie vermutet. Erst ein öffentlicher Diskurs, bzw. das öffentliche Äußern der Gedanken erhebt diese zu Denken. Der „bürgerliche Zwang“ sei es, der jedoch diese öffentliche Äußerung verhindert (S.19.). Zudem gibt es noch den Gewissenszwang, der die Furch vor Strafe schürt und somit vor einer vernünftigen Prüfung der eigenen Handlungen abhält (ebd.) und der zentrale Aspekt bei der Manifestation der Kompetenz ist.
Gelhard bezieht sich auf Kants Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit („von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlich Gebrauch zu machen“) und postuliert „Selbstdenken ist eine Tätigkeit zu mehreren. Sie ist an die öffentliche Äußerung von Gedanken gebunden, weil Denken bedeutet, sich anderen mitzuteilen“.
Auf heute bezogen könnte als konstatiert werden, dass Bloggen ein Weg oder zumindest ein Wegabschnitt aus dieser Unmündigkeit sein könnte. Vorausgesetzt man möchte Kant in Bezug zur digitalen Welt setzen.

Omnipräsenter Prüfer

Gelhard beruft sich auf Hegels Kritik der Gewissensprüfung wenn er sagt: „Die Selbstprüfung des Gläubigen ist Selbstprüfung unter den Augen eines selbst nicht sichtbaren Prüfers und bleibt durchgehend auf Gott als den großen Mitwisser unserer Handlungen bezogen“.
Im Zeitalter von religiöser Dominanz gegenüber den Menschen, geht dieser Prüfer in die Kirche und die Gemeinde über. Ein jeder prüft seinen Nachbarn ob der korrekten Einhaltung der kirchlich vorgegebenen Regeln, welche aber nicht von ihnen festgelegt wurden. Jede Abweichung wird sanktioniert. Meist durch soziale Mechanismen oder eben durch kirchliche Mechanismen.
Als Evolution dieser Mechanismen stellt Gelhard einen, für die Mechanismen der Kompetenz, wegweisenden Wechsel in der Betrachtungsweise fest.

„Die Gewissensprüfung folgt der Unterscheidung in „Erlaubtes und Verbotenes“, während die psychologischen Prüfungen einem humanwissenschaftlichen Dispositiv angehören, dessen Elemente darauf ausgerichtete sind, zu „regeln“, zu „verwalten“ und dafür zu sorgen, dass die Verfahren der Individualisierung „optimal funktionieren. Dieser Umstellung von Strafandrohung auf Verhaltensoptimierung entspricht die terminologische Unterscheidung zwischen Untersuchung und Prüfung, die Foucault in Überwachen und Strafen und einigen Texten aus dem Umfeld des Buches trifft.“ (S.34f.)

Es wird also nicht mehr bestraft sondern gezielt und grundlegend positiv konnotiert eingegriffen und geregelt. Was jedoch gefördert wird legt jedoch nicht der Mensch selber fest.
Kleists Kritik am Examen nimmt die reproduktiven Anforderungen der akademischen Prüfungen in Augenschein und setzt ihnen das kreative Handeln „in Gesellschaft“ entgegen (S. 122), welches aber einen Diskurs bzw. gewisse Störungen inkludiert um diese Kreativität zu aktivieren und somit im Konflikt mit den modernen, auf verwertbare Ergebnisse optimierten Testverfahren kollidiert (ebd.).

Ein weiterer wichtiger Bruch ist nach Gelhard der von Foucault analysierte Wechsel von der „Initiationszeit der traditionellen Ausbildung“ zur „Disziplinarzeit“ (vgl. S.38.). Auch in diesem (pädagogischen) Setting ist eine stete Überwachung und Überprüfung der Menschen bereits Teil des Systems. Dieses System ermöglicht zudem auch, dass der Einzelne, da er ja im herrschenden System erfolgreich sein will, vermeintlich freiwillig die geforderten Kompetenzen aneignet.

Psychotechnik

Die (angewandte) Psychologie entwickelte die Psychotechnik (Psychologie und Metaphysik) um das menschliche Leben möglichst in seiner Gesamtheit mit Hilfe von geeigneten Methoden erfassen zu können.
Mit den Persönlichkeitstests zog die Beurteilung der Menschen dann auch in den privaten Bereich der Menschen ein. Ein Umstand, der in den heutigen Kompetenzverständnissen manifestiert ist und in Form von Einstellungen und Werten abgefragt wird und somit Teil der Qualifikation ist. Besteht in diesem Segment der Kompetenz des Individuums keine Passung, so gilt dieses möglicherweise bereits als inkompetent.
Im Weiteren wurde versucht die Psychotechnik in die Wirtschaft zu importieren. Dabei war die Zielsetzung nicht die Menschen zu erforschen, sondern Mechanismen und Methoden der Selektion und Anpassung der Menschen zu finden. So sollte der Wirtschaft ein Instrumentarium im tayloristischen Sinne an die Hand gegeben werden.
Die produktive Seite der Macht wäre es nach Foucault in Folge dessen, die Person effektiv auszubauen um durch sie höhere Leistung für die Organisation zu erzielen!

Bereits McClelland befürchtete, dass Tests so entworfen werden, dass der Proband nur die erwarteten Reaktionen zeigen oder sie enttäuschen kann (S. 122). Die erwartete Kreativität von Erpenbeck und Rosenstiel (Handbuch Kompetenzmessung) basiere laut Geldhard nur auf Verwertungsgesichtspunkten und erfüllt somit bereits McClellands Befürchtungen. „Was wir erwarten, sind überraschende Lösungen, ist schöpferisch Neues.“ (Erpenbeck & Rosenstiel S. XIX). Dabei bleibt fraglich in wie fern dies überhaupt möglich ist, wenn doch nach McClelland die Ergebnisse doch schon vorgegeben sind.

Die Selbstorganisation

Kompetenz soll Freiheit bedeuten, es stellt sich aber heraus, dass es nur eine begrenzte Freiheit durch vorab selektierte Wahlmöglichkeiten ist.
Dadurch kann Normalisierung entstehen, welche durch ihren Einsatz das Potential entwickelt andere Ideen und Normen zu verdrängen oder zu überlagern. So ist es mir selber schon begegnet, dass ich im Vorstellungsgespräch für einem Aushilfsjob über die Kompetenzsäulen informiert wurde, in denen sich das Unternehmen gut aufgestellt sieht.

Kompetenz ersetzt Intelligenz

Seit McClellands Aufsatz „Rather testing for competence than intelligence“ wird der Begriff Kompetenz immer häufiger eingesetzt. Die für Gelhard einfachste Begründung, Kompetenz als etwas zu betrachten, dass menschliches Verhalten zuverlässlich vorhersagt, wird zugunsten eines Eindrucks von Kreativität und Selbstständigkeit meist nicht verwendet (vgl. S143). Marketing für einen Begriff, der einen Unterschied in der Bildungslandschaft ausmacht.

Die Kernaussage ist meiner Meinung nach, dass es Mechanismen geben, die das Konzept der Kompetenz so etabliert haben, dass es sich selbst in der Gesellschaft erhält. Kompetenz erwerben, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben, um den eigenen Status zu erhalten oder zu verbessern. Dabei ist egal was man macht, Hauptsache man arbeitet immer auf das Fremdbestimmte Ziel der Kompetenz hin. Die Kompetenz soll Wahlfreiheit und Chancen für jeden Einzelnen suggerieren und die differenzierte Gesellschaft in ihrer komplexen Gesamtheit erfassen. Dabei sind die Inhalte oder Definitionen von Kompetenz sehr häufig willkürlich und schwammig und stammen nicht aus einem öffentlichen Diskurs. Dabei dient das Konzept Kompetenz nicht dem Einzelnen oder der Bildung oder der Gesellschaft, sondern zielt überwiegend auf wirtschaftliche Verwertbarkeit ab und somit auf eine Maximierung des Humankapitals.
In wie fern diese Verwertbarkeit gewollt, gesund oder notwendig für eine kapitalistisch organisierte Gesellschaft ist, wird nicht aufgegriffen.
Dies, so finde ich, wäre eine spannende Anschlussfrage und Gelhards Buch liefert eine schöne philosophische Grundlage um das Kozept von Kometenz aus einer Sichtweise von vielen betrachten zu können.

Ich habe das Buch im Rahmen meiner Diplomarbeit letztes Jahr gelesen und für den Artikel hier erneut überflogen. Ich wollte diesen schon früher fertig haben, jedoch wurde ich von Arbeit und einer dicken Erkältung gut beschäftigt. Um das jetzt aber nicht noch länger hinauszuzögern und meinen angekündigten Termin einzuhalten veröffentliche ich den Beitrag jetzt, auch wenn er noch eine Woche Arbeit vertragen könnte.

Ich freue mich auf konstruktive Kommentare und eine rege Diskussion, auch gerne im IRC unter chat.freenode.net (port 665 ohne SSL – port 7000 mit SSL) im Channel #sooc13.

Quelle:

Gelhard, Andreas. Kritik der Kompetenz. 2012.
ISBN: 9783037341438
http://www.diaphanes.net/buch/detail/347

Weiteres Material

Die Fernuni Hagen bietet einen Vortrag von Andreas Gelhard auf ihrer Homepage. Dort gibt dieser eine Einführung in seine Kritik der Kompetenz.
Video

Initiiert wurder der Beitrag durch einen Livesession im Rahmen des @sooc13

Das Etherpad zu dieser Session ist hier zu sehen:
pad zur livesession vom 07.06.13

Netz Sooc13 Tools

Gibt es Bedarf für einen sooc13 IRC Channel?

IRC ist eines der ältesten Protokolle des Internets und es wird nach wie vor rege genutzt. Und ich habe mich schon so häufig gefragt, warum die Chatsysteme von Facebook, Google und Konsorten so rege benutzt werden. All das kann der IRC auch.
Auch Twitter und ADN sind eher Linkschleudern als Kommunikationsplattformen. Ich will nicht dagegen reden, denn als Inputkanäle nuztze ich gerade letztere auch sehr gerne.
Der Blogbeitrag iKonnektivismus im Unternetz von myrmikonos greift genau dieses Thema auf und hat mich veranlasst einfach mal Nägel mit Köpfen zu machen.

Die Clients

Eine gute Übersicht über Clients findet mensch hier. Ich möchte auch noch Pidgin vorschlagen. Pidgin ähnelt Clients wie ICQ oder anderen Messenger Programmen wie Trillian etc. und kann auch mit dem IRC umgehen. Eine sehr umfassende Auflistung aller Clients und ein Vergleich ihrer Funktionen findet sich hier (Englisch).

Unter Linux benutze ich eigentlich immer XChat oder irssi. Letzterer ist Konsolenbasiert und weniger für den gemeinen User geeignet.
Leider ist Xchat unter Windows keine freie Software. Es Gibt eine 30 Tage Testphase, ebenso das beliebte mirc.

Daher habe ich jetzt mal testweise aus dem ersten Link Quassel und Nettalk installiert und getestet. Beide sehen eben aus wie IRC Clients unter Windows aussehen, wobei Quassel trotz des Namens weniger bunt daher kommt und mir besser gefällt.
Ein weiterer Pluspunkt von Quassel ist, dass die SSL Verschlüsselung direkt integriert ist. Bei Nettalk ist dies ein Plugin, welches bei meinem Test eben den Dienst scheinbar verweigerte.

Einrichten des Netzwerks

Nach der Installation eines Clients muss man diesen entsprechend einrichten.
Dazu sucht mensch den entsprechenden IRC Server aus. Beispielsweise sind irc.freenode.net oder irc.quakenet.org in den meisten Clients bereits eingerichtet.
Es muss also nur noch ein Nickname sowie der echte Name eingetragen werden. Das Eintragen des echten Namens wird nicht überprüft, gehört aber zur Nettiquette des IRC Netzes.
Ich habe nun einen sooc13 Channel im freenode Netzwerk eröffnet. Den können alle betreten.
Sucht dazu in der Serverliste den irc.freenode.net oder chat.freenode.net Server heraus oder tragt ihn von Hand ein.
Der Port ist meistens 6665, es gibt aber noch viele mehr. Freenode bietet z.B. unter dem Port 7000 einen Zugang via SSL an. Also wird die Kommunikation zwischen Client und Server verschlüsselt. Ich finde das wichtig.

irc.freenode.net/7000 für SSL
irc.freenode.net/6665 ohne SSL

Anschließend werdet ihr aufgefordert einem Channel Beizutreten. Channel im IRC Netz fangen immer mit einer Raute # wie bei Hashtags an. Der richtige Channel lautet daher

#sooc13

Anschließend seid ihr im Channel #sooc13 und könnt loslegen mit konnektivistischen Aktivitäten.

Bildung Persönliches Sooc13

Moocs spiegeln die Illusion der Selbstständigkeit wieder? – eine subjektive Reaktion

Eben las ich mit Interesse den Beitrag E-learning 2.0 oder “die große Bildungsillusion” von soocli. Der Beitrag sprengt durchaus den üblichen Rahmen eines Blogbeitrags aber eigentlich ist das auch mal ganz schön. Hier mal ein paar unstrukturierte Gedanken zu diesem Blogbeitrag:

Es ist Happy Cadaver, ein Feiertag, und ich sitze mit der Nase vor dem Bildschirm. Das Unterscheidet sich insofern von meinem Alltag, als das eine Katze zwischen Tastatur und mir liegt.
Dennoch schaue ich mir die Blogbeiträge des #Sooc13 an und bin erstaunt. Nun ist es so, dass ich mein Diplom seit Februar in der Tasche habe und nun sowas ähnliches wie einer Arbeit nachgehe. Die Details sind nicht so wichtig. Es reicht zu wissen, dass ich jeden Tag um 5:15 aufstehe, um 7:30 auf der zu weit entfernten Arbeit sein muss und dort bis 15:30 festsitze. Dabei habe ich mit Menschen zu tun und einen Computer vor mir stehen, ich lese also ständig was so über den RSS Reader rein kommt. Mal intensiver, mal weniger.

Die Kritik die in dem Artikel geäußert wird finde ich spannend und ich kann mich in weiten Teilen dieser Untätigkeitstendenz – oder etwas distinguierter ausgedrückt – Ressourcenökonomie anschließen. Dennoch schaue ich mir den Sooc13 neben der Arbeit an und versuche daran teilzunehmen. Klar, ich brauche keine Credits, ich bin daher nicht gezwungen mitzumachen und kann so viel lesen oder auslassen wie ich lustig bin.
Nur warum bleibe ich dabei? Ein Grund ist sicherlich, dass mein auch erst vor kurzem veröffentlichtes Blog dadurch etwas mehr Inhalt und Relevanz (für mich) bekommt. Ein anderer ist aber auch mein Interesse am Thema multimediales Lernen selbst. Das wurde durch meine freiwillige Teilnahme am Educamp in Hamburg (wieder) geweckt. Dort bin ich quasi ohne Erwartungen hingefahren und wollte doch irgendwie alles erfahren. Ich bin von dort aus völlig begeistert und beseelt nach Hause gefahren. Die Konsequenzen sind, dass ich mich intensiver mit dem Thema auseinander setze. Auf meine Art und Weise und in meiner Geschwindigkeit. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Thema schon immer interessiert hat und irgendwie schon die persönliche Interaktion all das ausgelöst hat. Ich stimme dir also zu: Der mooc wird den persönlichen Kontakt nicht ersetzen können. (Siehe auch das Video am Ende des Beitrages)

Ich nenne das auf meiner Seite einen Lernprozess. Ich beschäftige mich dabei mit mehreren Dingen: Technik von Blogs, (z.B. Markdown), Sketchnotes vielen weiteren Themen und jetzt auch noch mit Moocs. Dabei schaffe ich mir eine gewisse Öffentlichkeit. Diese Öffentlichkeit kann mir, wenn ich beispielsweise grob falsch liege, eine Rückmeldung geben. Aber alles das ist selbstorganisiert. In welcher Art und weise der Lerneffekt sichtbar wird liegt an mir. Keiner schreibt mir vor wie ich meine Informationen beschaffen soll oder verarbeiten soll. Trotzdem ist der sooc13 didaktisiert. Ich kenne zwar die Präsenzphase der Veranstaltung nicht aber die Inhalte der Themenwochen sind vor der didaktischen Folie ausgewählt worden. Somit gibt es eine minimale Struktur. Meine Relevanz sowie die übrigen Aspekte wie Zeit, Raum, Inhalt, Relevanz sowie den Umfang meines Engagements entscheide ich selber.

Genau wie Downes sagt:

it is the placing of the control of learning itself into the hands of the learner

Aber aus meiner Bildungsbiographie ist für mich auch ganz klar, dass das in der Schule nicht oder nur sehr bedingt funktioniert hätte. Das liegt meiner Meinung nach aber an völlig anderen Gründen, die gesamtgesellschaftlich zu suchen sind. Nachdem ich vor kurzem einen Tag lang das Vergnügen hatte zwei 8. Klassen einer Hauptschule in der Berufsorientierung zu vertreten scheint mir (natürlich völlig valide, reliable und representativ) vor allem der Wert Bildung zu fehlen. Shop ‚til you drop, Geiz ist geil etc. gilt als erstrebenswert, nicht jedoch Wissen zu erwerben. Solange dies nicht grundlegend in der Gesellschaft, durch alle Schichten, Kartoffeln und alle anderen Modelle hindurch verankert ist wird sich das nicht ändern.
Abgesehen davon hat Schule auch einen natürlichen Feind, die Pubertät 😉 Denn mit oder ohne Computer und sonstigen didaktischen Kapriolen war Schule schon immer schlecht darin (mich) zu begeistern, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Das sollte also in der Uni anders sein. Aber da kommt der Alltag des Lehrbetriebs in die Quere.

Weiter soll es

a collapse of the distinction between teacher and student altogether

geben.
Das ist natürlich ein sehr ideelles Bild. Aber schon Paulo Freire sprach vom Lehrer-Schüler und dem Schüler-Lehrer und meint die Auflösung der herrschenden Asymmetrie zwischen den beiden Rollen. In der Uni könnte man diesem Ideal ja durchaus schon näher kommen, doch auf der Jagd nach Credits zählt eben nur was Relevanz für die Klausur hat und nicht was spannend ist oder sein könnte. Darüber hinaus stehen die Lehrenden ja ihrerseits in Zusammenhängen in denen Augenhöhe gewährleistet sein sollte dem aber leider häufig nicht so ist.

Zum letzten Punkt muss ein Video als Antwort reichen

It’s not even remotely like a real class

Ich finde deinen Artikel sehr wertvoll und interessant und denke du realisierst deinen eigenen selbstorganisierten Lernprozess noch nicht.

Diese Studie habe ich mal raus gelassen weil ich mich mit ihr nicht auskenne. Aber ich habe schon eine ähnliche Kritik wie im ersten Kommentar gehört und muss zu moocli noch sagen, dass der Autor der Studie sich der unterschiedlichen Definitionen von Lernen sicherlich bewusst ist, sich aber dazu entschlossen haben wird dies zu vernachlässigen. Das ist bei der Interpretation dieser Studie nicht zu vergessen. Daher wäre mal interessant zu lesen was für Anstrengungen in der Studie unternommen wurden um diesen Umstand zu relativieren.

Bildung Netz Organisation Sooc13 Tools

Meine PLE wird nie fertig sein!

Seit einigen Tagen versuche ich mich in das Thema PLE (personal learning environment) einzuarbeiten und meine eigene PLE zu visualisieren und zu reflektieren.
Dies wollte ich in meinem selbst gehosteten Wisemapping Tool zum erstellen von Mindmaps machen. Leider lassen sich bei dem Tool nur einfach verbundene Mindmaps machen. Verbindungen zwischen zwei Unterpunkten funktionieren nur über separat hinzufgbare Pfeile.

Nachdem ich mir einige andere PLEs angesehen habe, habe ich alles zusammengetragen was mir eingefallen ist.
Herausgekommen ist eine Mindmap im Rahmen der Möglichkeiten von Wisemapping. Vor allem aber ist sie nicht fertig. Ich denke sie wird auch nicht fertig. Wie Anja Lorenz schreibt, ist die PLE auch Kontextabhängig. In meinem Ansatz wollte ich aber mal versuchen möglicht alles zu integrieren, unabhängig vom Kontext.

Meine PLE

Fazit

Eines ist mir aber dabei deutlich geworden, meine PLE wird nie fertig sein. Die Visualisierung ist spannend und funktioniert für mich gut, weil es keine Soll- oder Normwerte gibt und auch keine Bewertung (im schulischen Sinne) stattfindet. Rückmeldung hingegen interessiert mich sehr.

Darüber hinaus finde ich bei digitalen Tools wichtig, dass ich mich daran halte. Ich tendiere zum ausprobieren von vielen verschiedenen und neuen Tools. Dabei schleicht sich gerne auch mal etwas Chaos ein à la „Wo war das nochmal?“ Diese – und ich mag das Wort aus irgendwelchen Gründen nicht – Workflows zu visualisieren ist für mich daher sehr spannend.