[Rezension] Raspberry Pi für Einsteiger

Der Raspberry Pi kann seine Herkunft als kleiner Computer zum Lernen nicht verbergen. Warum sollte er auch? Es würde zwar für sich genommen schon an Fähigkeiten für einen kleinen Computer reichen, aber er hat auch noch so viel mehr drauf. Von einem Einsteiger Buch erwarte ich also eine Menge über die Hard- & Software lernen zu können.
Aber Raspberry Pi für Einsteiger ist kein Lehrbuch, sondern ein Buch für Interessierte, die einen Raspberry Pi kaufen wollen oder bereits einen besitzen und sich ein größeres Bild von dem kleinen Gerät machen möchten.

Raspberry Pi für Einsteiger Cover

Bei Raspberry Pi für Einsteiger von Matt Richardson & Shawn Wallace aus dem O’Reilly Verlag geht es vor Allem darum Grundlagen zu lernen. Es wird ein vollständiger Rundumschlag in allen relevanten Bereichen gemacht: Zum Raspberry Pi selber, zu Linux, zu Python (in Kombination mit dem Web), zur graphischen Programmiersprache Scratch (link), zur Konnektivität mit Arduino, zur GPIO Schnittstelle und zur Peripherie wie Webcams für den Pi.

Zuerst geht es allgemein um die Hardware. Genau der richtige Einstieg. Es werden die Unterschiede der Versionen des Pi beschrieben sowie alle LEDs etc. erklärt. Anschließend geht es direkt an das Eingemachte, das Betriebssystem. Auf dem Pi läuft Linux, und da das nicht jedem User bekannt ist gibt es gleich eine Kurzeinführung in das OS. Besonders gefällt mir, dass die Ordnerstruktur von Linux anschaulich gemacht wird. Auch das Rechtesystem kommt nicht zu kurz. Einige der genannten Linuxbefehle und der Umgang mit einer Konsole sind grundlegend für den Umgang mit einem Computer ohne Monitor und für ein tieferes Verständnis von Computern. Ich stimme den Autoren zu wenn Sie behaupten, dass es nicht schadet diese Befehle zu lernen.

Anschließend werden die verschiedenen Programmiersprachen thematisiert. Shell Skripte, Python sowie Scratch. Ich persönlich gehöre nicht gerade zur Fraktion der Programmierer. Dennoch, Shell Skripte schreiben zu lernen steht aber schon seit einiger Zeit auf meiner To-Do-Liste. Hier ist das Buch mal ein guter Anreiz um etwas zu beginnen, denn genau dazu gibt es den Pi. Auch die Einführung in Python macht Lust auf mehr. Es könnte, je nachdem wie groß das geplante Projekt ist, auch nötig sein via Python diverse Funktionen zu realisieren oder anpassen zu müssen.
Auch das Framework pygame wird erwähnt. Pygame ist für mich vorerst nicht interessant. Aber aus der Bildungssicht betrachtet ist es natürlich super auch auf die Tatsache einzugehen, dass man es nicht immer nur mit drögem Output auf der Kommandozeile zu tun hat, sondern auch etwas grafisches ausgeben lassen kann. Wer plant ein externes Display (keinen Monitor) an den Pi anzuschließen soltle sich diesen Abschnitt mal anschauen.

Mit der grafischen Programmiersprache Scratch ist ein schönes Beispiel gewählt worden. Denn, wie eingangs erwähnt, ist der Pi ja eigentlich ein Computer zum lernen. Erdacht und gebaut, um in Schulen eingesetzt zu werden. Die Programmiersprache Scratch ähnelt nun wenig der Syntax herkömmlicher Programmiersprachen, sondern kommt grafisch daher und richtet sich somit vor allem an Lernende, die gerne einen Bogen um Syntax machen bzw. vor allem die Logik lernen wollen. Somit wird das Buch hier auch dem Bildungsidee des Pi gerecht.

Nach dem kurzen Abschnitt zu Pi mit dem Arduino Board geht es schließlich auch um die GPIO Schnittstelle, welche für viele Hardware Hacks wichtig ist. Anhand einfacher elektrischer Schaltkreise wird die Programmierung der Schnittstelle veranschaulicht. Hierzu ist einiges an zusätzlichem Material notwendig. Nichts davon ist wirklich Raketenwissenschaft, sondern einfach beim Elektronikhändler des Vertrauens zu erhalten.
Um die GPIO Schnittstelle auch noch weiter benutzen zu können wird auch die Verknüpfung zu Python hergestellt. Somit sind fast alle Grundlagen gelegt, um mit dem Pi einiges anstellen zu können.
Abschließend wird noch auf den Einsatz von Webcams sowie Python in Kombination mit dem Internet eingegangen. Beides auch spannende, aber für mich bereits recht spezialisierte Bereiche, die ich vorerst außen vor lasse. Mit Python und GPIO bin ich vorerst genug beschäftigt, von den ganzen Serverprojekten ganz zu schweigen.

Ich finde Raspberry Pi für Einsteiger ein tolles kleines Buch um in die Welt und die Möglichkeiten des Raspberry Pi einzusteigen. Es lässt fast nichts aus und kommt optisch auch ganz hübsch sowie aufgeräumt daher.

Ich hätte mir noch ein paar mehr Beispiele für kreative Projekte und Einsatzmöglichkeiten, die schon mit einem Pi umgesetzt wurden, gewünscht. Allerdings, wer das Buch und ggf. auch schon einen Pi in der Hand hält, wird sich auch schon im Netz einige Ideen angeschaut haben. Außerdem sind am Ende von jedem Kapitel immer nützliche Links um sich tiefer gehend zu informieren.

Mit einem Raspberry Pi zu arbeiten ist in Teilen auch hacken. Irgendwer findet immer eine neue Möglichkeit den kleinen Computer auf neue Weise einzusetzen und um dafür einen Einstieg zu finden ist dieses Buch hervorragend geeignet.

Wer also von der kleinen Wunderkiste gehört hat und sie Einsetzten will, findet hier alles was er braucht um sich tiefer in die Materie einzuarbeiten.

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